Interessantes aus Bennstedt

Wer unser Festkonzert anlässlich des 250. Geburtstages der Zuberbier-Orgel am 21.09.2025 erlebt hat, kann sich vielleicht an die Bemerkung des Organisten Martin Rost erinnern, dass der Baumeister dieses Instrumentes wahrscheinlich in Bennstedt begraben wurde. Das war Anlass, der Spur nachzugehen.

Johann Christoph Zuberbier, der Erbauer der Orgel, ist unmittelbar vor Fertigstellung des Instrumentes am 27.04.1775 auf dem Weg nach Halle an einem Schlaganfall gestorben.

Für den Archivar Dr. Stephan Junghänel ergibt sich nach intensivem Aktenstudium die einzige Schlussfolgerung: Johann Christoph Zuberbier wurde am 29.04.1775 auf dem hiesigen Gottesacker christlich bestattet.
Unter Beachtung des Datums kann es sich nur um den Kirchhof handeln, der zu damaliger Zeit als Begräbnisstätte diente.
Vielleicht ergeben weitere Nachforschungen die genaue Grablage.
Bedeutsam ist jedoch, dass der Schöpfer der Orgel in Hörweite seines letzten Werkes die ewige Ruhe, in diesem Fall keine Ruhe, gefunden hat. Das ist eine große Seltenheit, die wir zu würdigen wissen.

Die Zuberbier-Orgel

1775 schuf Johann Christoph Zuberbier die Bennstedter Orgel, ein Kleinod in unserer Kirche. Er stammte aus einer in Mitteldeutschland und Niedersachsen weit verzweigten Orgelbauer Familie. Als ältester Sohn des Bernburger Orgelbauers Johann David Zuberbier wurde er Hochfürstlich Anhalt-Cöthenscher privilegierter Hofinstrumentenmacher und Orgelbaumeister. 

Er schuf auch eine Reihe weiterer z.T. noch existierender Orgeln, wie z.B. die in Klieken und die in der Köthener Schlosskapelle.  Ursprünglich war dort eine Orgel seines Vaters, die etwa 100 Jahre ihren Dienst versah und dann mit   der damaligen Kapelle unter- und verloren ging.  1991 konnten im Köthener Schloss wieder eine Kapelle und eine Orgel von „unserem“ Zuberbier, die er 1754 für die Dorfkirche in Thurau (bei Köthen) schuf, geweiht werden. 

In Bennstedt war es nicht die erste Orgel. 1675 wurde ein erstes Orgelwerk vom Orgelbauer Wächter und Söhne errichtet, das durch den Brand 1681 zerstört wurde. 

Von einer weiteren Orgel, etwa 1684, ist nichts Genaueres bekannt. Der Bau der jetzigen Orgel erfolgte 1775, allerdings verstarb Johann Christoph Zuberbier noch 1775 durch einen Schlaganfall auf dem Weg nach Halle. Fertiggestellt wurde die Orgel durch seinen Sohn Johann Friedrich Leberecht Zuberbier. Mehrere Reparaturen hat es gegeben. U.a. erfolgten um 1820 einige Änderungen durch Johann Gottfried Kurtze, der z.B. statt der Trompete 8‘ die Gamba 8‘ einbaute. Etwa 1930 war der Orgelbauer Reinhold Strobel aus Bad Frankenhausen mit der Orgel befasst. 

Die grundsätzliche Klanglichkeit blieb dabei weitgehend erhalten. 2008 veranlasste der Förderverein Bennstedter Kirche eine instandsetzende Restaurierung durch den Orgelbauer Thomas Schildt aus Halle bei fachlicher Begleitung durch Roland Hentzschel, Orgelrestaurator aus Halle.

So kann die Orgel weiter als eine bemerkenswerte „Klangreserve“ einer spätbarocken mitteldeutschen Dorfkirchenorgel einfacher Konstruktion mit frischem,  unmittelbar ansprechendem Klang (Martin Rost) angesehen werden. Namhafte Organisten kamen und kommen gern zu Konzerten nach Bennstedt.

 

O. L.

Nachbetrachtungen

Rückblick "Orgelkonzert"

Und wieder einmal, am 09.05.2026, erklang, von meisterlicher Hand gespielt,
unsere Zuberbier-Orgel.
Professor Wolfgang Kupke führte souverän die Klangfülle des barocken Instrumentes mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel,
Malachias Siebenhaar und Johann Georg Albrechtsberger dem andächtig lauschenden Publikum vor.
Ergänzend dazu waren die durch den Bariton Max Ehlert vorgetragenen Kompositionen von Bach, Händel und Heinrich Schütz zu hören.
Seine klare Stimme erzeugte eine wunderbare Harmonie zwischen Gesang und Orgel. Beide Interpreten beeindruckten durch ein perfektes Zusammenspiel und
bereiteten so dem Publikum einen besonderen musikalischen Nachmittag.
Den wohlverdienten und reichlichen Applaus erhielten die Künstler von den zahlreichen Konzertbesuchern.
So wurde die Vorfreude auf weitere hochwertige Veranstaltungen geweckt.
Dank großzügiger Spenden sind wir der Erneuerung unserer nördlichen Kirchenmauer ein Stück näher gekommen.

Rückblick „Ha(a)se singt und liest“

Am Sonnabend vor den Osterfeiertagen hoppelte ein H(a)ase durch Bennstedt.
Um es gendergerecht zu sagen: eine Hä(a)sin.
Und eigentlich hoppelte sie auch nicht, sondern bewegte sich elegant auf dem literarisch-musikalischen Parkett.
Frau Katrin Schinköth-Haase bot in der Bennstedter Kirche allerbeste Unterhaltung mit ihrem Osterprogramm.
Namhafte Poeten wie zum Beispiel Rilke, von Fallersleben, Fontane, Lenau, von Eichendorff, Ringelnatz, Kästner, Morgenstern, Mörike kamen mit ihren Frühlingsimpressionen zu Gehör. Natürlich durfte Goethes „Osterspaziergang“ nicht fehlen.
Zur einfühlsamen Orgelbegleitung durch Paul Beckert, einem bereits
angesehenen Jungmusiker, erklangen bekannte Frühlingslieder. Beispielhaft
dafür sind „Der Frühling hat sich eingestellt“, „Nun will der Lenz uns grüßen“ oder „Leise zieht durch mein Gemüt“. Die reichlich anwesenden Zuhörer
wurden aufgefordert, sofern möglich, die Lieder mitzusingen.
Ein besonderes Schmäckerchen war die komödiantische Lesung über die „Henne Regula“. Wer die Augen dabei geschlossen hielt, wähnte sich in einem Hühnerstall!
Die Vorfreude auf die begonnene Jahreszeit wurde durch die amüsanten Texte und die schwungvoll dargebotenen Lieder geweckt. Reichlich Beifall war der verdiente Lohn für beide Künstler.
Bei so vielen wunderbaren Gefühlen saßen auch die Münzen und Scheine für die Reparatur unserer Kirchenmauer locker. Herzlichen Dank allen Spendern.
Auf dem Heimweg konnte man sich überzeugen, ob „Alle Vögel sind schon da“ den Frühlingshauch bereits in unseren Gärten verbreiten.